Bei den Edelmetallbarren unterscheidet man in erster Linie zwischen gegossenen und geprägten Barren, die jeweils eigene Unterschiede in Bezug auf Herstellung und Eigenschaften aufweisen.
Übliche Stückelungen
Gegossene Barren aus Edelmetall gibt es meist erst ab den Gewichten 250g aufwärts. Da viele Kunden jedoch auch bei kleineren Stückelungen Gussbarren bevorzugen, bietet die ESG Sortiment aus Gold und Silber auch bereits kleinere gegossene Barren in den Größen 1oz, 50g und 100g an.
Geprägt werden Barren meist bei kleineren Einheiten von 1g bis 100g. Einige Hersteller bieten jedoch auch größere geprägte Edelmetallbarren an.
Unterschiede in der Herstellung
Gegossene Barren
Bei gegossenen Barren wird zunächst Edelmetallgranulat (Goldgranulat/Silbergranulat) auf das benötigte Gewicht abgewogen. Meist wird dabei ein Edelmetallkörnchen mehr zugegeben, um das gewünschte Barrengewicht später auf keinen Fall zu unterschreiten.
Das Granulat wird entweder in einem Tiegel eingeschmolzen und anschließend unter Zugabe einer Schutzgasflamme in die Barrenform gegossen, die meist aus Eisen oder Graphit besteht, oder es wird direkt in die Barrenform eingefüllt und dort verflüssigt. Beim Erkalten des Barrens entstehen die typischen Erstarrungslinien, welche jeden Gussbarren zu einem Unikat machen. Einige Barrenhersteller setzen für die Produktion gegossener Barren auch bereits Gießroboter ein.
Nach dem Erstarren werden die Barren in einem Wasserbad abgekühlt. Danach wird das Gewicht kontrolliert. Sollte ein Barren Untergewicht haben, wird er ausgesondert und später erneut eingeschmolzen. Bei Barren mit Übergewicht wird mit einem kleinen Schabwerkzeug ein Span abgetragen, bis das Gewicht stimmt.
Danach werden die Barren punziert, das heißt, die Barrenbeschriftung wird mittels einer hydraulischen, pneumatischen oder Spindelschlagpresse vertieft in die Metalloberfläche eingedrückt. Anschließend erfolgt noch eine Sichtkontrolle, ob die Barren optisch einwandfrei geworden sind.
Geprägte Barren
Bei geprägten Barren wird zunächst in einer Stranguss-Gießanlage eine Feinmetallstange gegossen. Diese wird dann in einer Walze peu á peu auf eine vorher exakt berechnete Dicke zu einem Blech ausgewalzt.
Aus diesem Edelmetallblech werden anschließend die Barrenrohlinge in einer hydraulischen oder pneumatischen Stanzmaschine ausgestanzt.
Ähnlich wie Edelmetallmünzen werden diese Rohlinge dann in einer Prägemaschine, je nach Produkt ein- oder beidseitig, mit der Barrenbeschriftung bzw. dem gewünschten Barrenmotiv geprägt. Zur Qualitätskontrolle werden regelmäßig Stichproben entnommen und nachgewogen. Bereits ab dem Stranguss werden außerdem regelmäßig Materialproben entnommen, um den Feingehalt zu überprüfen. Auf diese Weise kann ausgeschlossen werden, dass während des Produktionsprozesses unbeabsichtigt entstandene Verunreinigungen die angestrebten Feinmetallreinheiten beeinflussen.
Die fertig geprägten Barren werden zum Schluss noch einer optischen Sichtkontrolle unterzogen und je nach Hersteller oder Kundenvorgabe in Folie verschweißt oder in einer Blisterbox eingesiegelt.
Bei größeren geprägten Barren werden die Rohlinge teilweise nicht im Endformat ausgestanzt, sondern aus einem, dem Gewicht entsprechend dickerem Feinmetallblech mit CNC Fräsen in die benötigte Rohlingsform gefräßt. Teilweise werden die Rohlinge auch gegossen. Die weiteren Arbeitsschritte sind identisch denen bei kleineren geprägten Barren, nur dass die eingesetzten Prägemaschinen bzw. Pressen aufgrund der größeren Fläche einen entsprechend höheren Druck leisten müssen.
Eigenschaften
Gegossene Barren
Gegossene Barren sind stets Unikate. Durch die Erstarrungslinien, die beim Erkalten des flüssigen Metalls entstehen, hat jeder Gussbarren eine metallurgisch unverwechselbare Oberfläche.
Gegossene Barren sind deutlich unempfindlicher als geprägte Barren. Die ohnehin leicht unebene Oberfläche wirkt durch kleine Kratzer oder Fingerabdrücke nicht gleich beeinträchtigt. Einen gegossenen Barren kann man somit auch getrost einmal in die Hand nehmen, um ihn genauer zu betrachten.
Die Herstellung ist jedoch etwas aufwändiger. Bei Goldbarren ist dieser Kostenfaktor prozentual gesehen nur minimal. In kleinere Stückelungen gegossene Kleinsilberbarren sind hingegen meist etwas teurer. Da kleine Silberbarren in der Regel als Geschenk gekauft werden, wiegt die wertigere Optik eines Gussbarrens den minimalen Mehrpreis beim Käufer oft wieder auf.
Geprägte Barren
Geprägte Barren haben eine sehr schöne, teilweise spiegelglänzende Oberfläche und meist ein erhabenes Prägebild. Das Barrenbild lässt sich beliebig gestalten, auch mit der kleinsten Beschriftungen oder Schraffierungen. Geprägte Barren sind gut stapelbar und können teilweise in automatisierten Serienprägemaschinen kostengünstig produziert werden.
Die Oberfläche der geprägten Barren ist jedoch im Vergleich zu gegossenen Barren empfindlicher für Kratzer und Schrammen, meist sieht man sogar schon kleine Berührungen an zurückbleibenden Fingerabdrücken. Mit geprägten Barren sollte man deshalb sorgfältig umgehen und sie nach Möglichkeit nicht der Schutzverpackung, der Folie bzw. dem Blister entnehmen. Geprägte Barren, die zerkratzt oder sonst beschädigt sind, können nicht mehr direkt als Barren weiterverkauft werden und sind somit nicht mehr handelsfähig. In diesem Fall müssen sie eingeschmolzen werden, wodurch beim Ankauf Abschläge anfallen.